Wie wir Themen auswählen, prüfen, korrigieren
Diese Seite beschreibt die redaktionelle Praxis bei The Evidence Edit. Kein Werbetext über Werte, sondern eine Darstellung dessen, was wir tun, wenn eine Geschichte entsteht: Themenauswahl, Faktenprüfung, Umgang mit Fehlern, Unabhängigkeit.
Themen und Relevanz
Themenauswahl und Relevanz
Wir führen eine laufende Liste möglicher Themen. Sie wird monatlich nach Relevanz und Prüfbarkeit sortiert, und jedes Thema muss beide Prüfungen bestehen, bevor Recherchezeit darauf verwendet wird.
Relevanz bedeutet für uns: Hat das Thema institutionelle oder gesellschaftliche Folgen? Berührt es mehrere Ressorts, also Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur zugleich? Ein Stoff, der nur eine Sparte bedient und niemanden außerhalb davon betrifft, landet weiter unten auf der Liste.
Prüfbarkeit bedeutet: Lässt sich die Kernaussage mit zugänglichen Quellen belegen? Wir lehnen Themen ab, die nur auf anonymen Andeutungen beruhen, so interessant sie klingen mögen. Ein Hinweis ohne Weg zur Überprüfung ist für uns noch kein Thema, sondern eine Notiz, die weiter beobachtet wird.
Zwischen beiden Kriterien gibt es Spannung. Manche Vorgänge sind folgenreich, aber schwer zu belegen. Dann halten wir das Thema offen, statt es zu streichen, und suchen über Monate nach Dokumenten, Gesprächspartnern und Gegenproben.
Sortiert wird monatlich, nicht täglich. Die Liste ist ausdrücklich ein Arbeitsmittel und kein Veröffentlichungsplan.
Redaktionelle Praxis
Jedes größere Stück beginnt mit einer Recherchefrage. Diese Frage wird in kleinere Teilfragen zerlegt, die unabhängig voneinander geprüft werden können. Erst dann beginnt die eigentliche Arbeit an Quellen.
Quellen werden mit Kontaktweg und Datum erfasst, also mit der Angabe, wie die Information zu uns gekommen ist und wann. Wo eine Aussage nur eine Quelle hat, vermerken wir das im Text. In der Regel streben wir mindestens zwei voneinander unabhängige Belege an, bevor eine Aussage zum tragenden Kern eines Artikels wird.
Unabhängig heißt: Die Belege stützen sich nicht gegenseitig, weil sie aus derselben Weitergabe stammen. Zwei Gesprächspartner, die dasselbe von derselben Person gehört haben, sind für uns ein Beleg, nicht zwei.
Wie eine Aussage geprüft wird
- Recherchefrage — in unabhängig prüfbare Teilfragen zerlegt.
- Quellenerfassung — Kontaktweg und Datum dokumentiert.
- Gegenprobe — mindestens zwei voneinander unabhängige Belege.
- Kennzeichnung — Einzelquellen werden im Text benannt.
Faktenprüfung ist ein eigener Arbeitsschritt
Die Faktenprüfung ist nicht Teil der Recherche. Sie läuft getrennt und hat eine eigene Aufgabe: prüfen, was behauptet wird, unabhängig davon, wie überzeugend die Recherche klingt.
Zahlen werden mit Bezugsgröße, Basisjahr und Quelle protokolliert. Eine Zahl ohne Bezugsgröße sagt wenig, und ein Basisjahr entscheidet darüber, ob ein Vergleich überhaupt zulässig ist. Zitate werden im Wortlaut freigegeben, nicht in sinngemäßer Zusammenfassung. Bilder und Dokumente werden auf Herkunft geprüft, bevor sie erscheinen.
Bei Behauptungen, die auf Auswertungen beruhen, wird nachgerechnet, wo dies möglich ist. Wo eine Gegenprüfung nicht gelingt, wird die Aussage abgeschwächt oder gestrichen. Das ist keine Formalie, sondern der häufigste Grund, warum ein Absatz am Ende anders aussieht als im ersten Entwurf.
Zahlen
Bezugsgröße, Basisjahr und Quelle werden mitprotokolliert.
Zitate
Freigabe im Wortlaut, nicht als Zusammenfassung.
Bilder und Dokumente
Herkunft wird geprüft, bevor ein Material erscheint.
Nachrechnen
Ohne gelungene Gegenprüfung wird abgeschwächt oder gestrichen.
Unsicherheit und Unabhängigkeit
Zwei Regeln, die jeden Text betreffen: Wir benennen Unsicherheit, statt sie zu kaschieren. Und wir legen offen, wo eine Verbindung zu Dritten besteht.
Warum Texte dadurch länger werden
Unsicherheit zu benennen macht Texte länger und manchmal sperriger als eine glatte Zuspitzung. Es ist dennoch die bessere Praxis. Wer eine Prognose als Tatsache liest, trifft später Entscheidungen auf einer Grundlage, die es nicht gibt.
Wie sich die Redaktion finanziert
The Evidence Edit finanziert sich aus Abonnements und einem begrenzten Anteil an Anzeigen, die redaktionell getrennt sind. Anzeigenkunden haben keinen Einblick in laufende Recherchen und keine Mitsprache bei Themen.
Wenn ein Fehler vorliegt, korrigieren wir ihn sichtbar
Die Korrektur nennt Datum, betroffene Passage und die geänderte Aussage. Bei Fehlern, die die Aussage eines Stücks berühren, wird der Artikel mit einer redaktionellen Notiz versehen, damit Leserinnen und Leser den Stand sehen und nicht raten müssen.
Wir löschen keine Beiträge stillschweigend. Ein zurückgezogener Text bleibt auffindbar, mit dem Vermerk, warum er zurückgezogen wurde. Wer einen Fehler findet, kann ihn über das Kontaktformular melden. Jede Meldung wird geprüft, auch wenn sie kurz ausfällt.
Eine Gegendarstellung wird aufgenommen, wenn sachliche Fehler vorliegen. Weicht eine Auffassung ab, ohne dass ein Fehler vorliegt, kommentieren wir das in der Antwort und nicht im Artikel.
Umgang mit Kritik
Hinweise von Lesern und Betroffenen
Hinweise und Kritik werden zentral erfasst und redaktionell bewertet. Betroffene können eine Stellungnahme verlangen. Wir prüfen jede Einschätzung sachlich und antworten über die Redaktion, nicht über eine allgemeine Adresse.
Für vertrauliche Hinweise gibt es gesonderte Wege. Wer Material weitergibt und nicht genannt werden möchte, sollte das vorab sagen, damit wir den Umgang von Anfang an danach richten können.
Wir speichern nur, was für eine Recherche notwendig ist. Quellenmaterial wird getrennt von identifizierenden Angaben aufbewahrt. Nach Abschluss einer Recherche wird entsprechend den internen Fristen gelöscht, was nicht aufbewahrt werden muss. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung und in der Cookie-Richtlinie.
Zusammenarbeit, externe Beiträge und unsere Standards
Wir arbeiten punktuell mit anderen Redaktionen und Fachleuten zusammen. Solche Beiträge werden gekennzeichnet, und die redaktionelle Letztentscheidung bleibt bei uns, auch dann, wenn ein Beitrag sensibel ist.
Kooperationen
Beiträge aus einer Zusammenarbeit werden als solche gekennzeichnet. Leserinnen und Leser sehen, wer den Text verantwortet und woher er stammt.
Interessen offenlegen
Externe Autorinnen und Autoren müssen ihre Interessen offenlegen. Wo das nicht möglich ist, verzichten wir auf die Zusammenarbeit.
Verfahren prüfen
Wir überprüfen unsere Verfahren regelmäßig intern. Ändern sich Arbeitsabläufe, wird diese Seite angepasst und die Änderung im Text markiert, wenn sie für Leserinnen und Leser relevant ist. Anregungen nehmen wir über das Kontaktformular entgegen.
Häufige Fragen zur Arbeitsweise
Drei Fragen, die uns Leserinnen und Leser am häufigsten stellen, und die kurzen Antworten darauf.
Wer entscheidet über die Veröffentlichung eines Artikels?
Die redaktionelle Leitung entscheidet auf Grundlage von Recherche, Faktenprüfung und rechtlicher Einschätzung. Externe Beiträge durchlaufen denselben Prozess.
Wie gehen Sie mit Leserkritik um?
Jede Kritik wird erfasst und sachlich geprüft. Wo ein Fehler vorliegt, korrigieren wir. Wo nicht, begründen wir das ausführlich.
Werden Korrekturen sichtbar gekennzeichnet?
Ja. Korrekturen nennen Datum, betroffene Passage und die geänderte Aussage. Bei schwerwiegenden Fehlern wird der Artikel mit einer redaktionellen Notiz versehen.
Wer wissen möchte, wie eine Redaktion arbeitet, findet auf dieser Seite die Grundzüge — und kann jederzeit nachfragen.
The Evidence Edit ist ein unabhängiges redaktionelles Magazin für politische Analysen, investigative Recherchen, Wirtschaftsberichterstattung, kulturelle Essays und Wissenschaft. Unabhängigkeit heißt hier nicht Neutralität gegenüber Fakten, sondern die Freiheit, Themen ohne Rücksicht auf Anzeigenkunden auszuwählen und Fehler sichtbar zu korrigieren.
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